Von:
Lars Charbonnier

e-bilden.de

„Die haben vielleicht geguckt, als ich mit Anna durch die Fußgängerzone gegangen bin. Die Coolen aus meiner Clique kriegen den Mund nicht zu, echt, zum Wegschmeißen! Gesagt haben sie nichts, haben sich nicht getraut...Hätt’ ich ja auch nicht gedacht, dass ich mal mit einer von der Schule durch die Stadt laufen würde! Es war mir nicht mal peinlich. Weil die ist echt nett!“

Leonie ist 14 Jahre alt und geht in die 8. Klasse der Realschule. Im Religionsunterricht haben sie gerade diakonische Projektwoche. Gemeinsam mit der 8. Klasse einer Förderschule für Menschen mit geistiger Behinderung werden sie am Samstag ein Theaterstück aufführen, für das sie alles selbst gemacht haben: den Text, die Musik, die Kostüme. Die meisten Schülerinnen und Schüler sind so begeistert wie Leonie. Am Ende der Woche werden sie beschließen, sich noch öfter zu treffen, denn "so doof, wie wir immer dachten" sind die anderen gar nicht, stimmen beide Seiten überein.

Zufrieden sind auch die Religionslehrerinnen: Die Schülerinnen und Schüler haben vor der Projektwoche etwas gelernt über das christliche Menschenbild, das den Nächsten als Ebenbild Gottes betrachtet. Stationen der Diakonie-Geschichte haben sie erarbeitet. Und nun haben sie ganz praktisch gelernt, außerhalb des Klassenzimmers. Das Wichtigste: Sie haben für sich selbst gelernt, ihre Sicht auf manches hinterfragt, mehr oder weniger bewusst. Sie haben ihre Persönlichkeit weiterentwickelt, ihr Wissen mit ihrer konkreten Lebenserfahrung verbunden, und das im ständigen Austausch mit anderen.

Bildung im evangelischen Sinn hat diese Prozesse der Persönlichkeitsentwicklung in allen Dimensionen im Blick. Ihr geht es um vernünftige Reflexion und fundiertes Wissen. Sie will zum kritischen Hinterfragen gängiger Praxis anregen und zum eigenen Handeln befähigen. Sie will in Erfahrungsräume führen, die den Einzelnen bereichern und auf seinem Weg in der Freiheit eines Christenmenschen stärken. Die Perspektive auf den Mitmenschen als Ebenbild Gottes wie auf die Umwelt als Schöpfung Gottes wird dabei stets miteinbezogen, wie die Frage nach Gott selbst.

Um diese Bildung bemüht sich die Evangelische Kirche in der vielfältigen Arbeit ihrer Gemeinden, im Religionsunterricht der Schulen und an den Universitäten.